Berufe & Lebens formen

Alle Getauften sind berufen, Gott und den Menschen zu dienen und auf ihre Weise dem Beispiel Jesu zu folgen. Manche erkennen ihre Berufung darin, ihre Talente auch in einen Beruf in der Kirche einzubringen, etwa als Pastoralreferentin, als Gemeindereferent oder als Kirchenmusikerin. Wer sich etwa zum Ordensleben berufen fühlt, folgt dem Vorbild Jesu gerade auch in der Ehelosigkeit.

Im Dienst Jesu

„Lehrer verdienen eigentlich genügend. Sie können vor den Schülern in schicken Klamotten erscheinen, in Fernurlaub reisen und mit dem Auto vor der Schule vorfahren. Frau M. war anders. Sie lebte ohne Partner. Sie kam einfach, aber geschmackvoll gekleidet daher. Sie verreiste im Umkreis, am Arbeitsplatz erschien sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Gelegentlich unterhielten wir uns in der Klasse über sie: Sie wird gewiss ein mehrstelliges Bankkonto haben. Während einer Klassenfahrt fragten wir sie, auf welches Ziel sie denn spare. Sie lachte und antwortete, sie gehöre zu einem Säkularinstitut. Solidarisch teile sie das Einkommen mit anderen Menschen in Notlagen.“

 „Andy, ein junger Dachdecker aus einer deutschen Großstadt, wollte in seinem christlichen Glauben ernst genommen werden und mit jemand darüber sprechen. Das war gar nicht so einfach. Er war neu in der Stadt, und irgendwen nach dem Gottesdienst anzusprechen, scheiterte oft an der Frage: ‚Wen?‘. In der Abendmesse sah er wiederholt einen Mann seines Alters. Andy sprach ihn an. Beim Bier erfuhr er, dass sein neuer Freund in einem Säkularinstitut lebt. Wie Mönche bemühe er sich mitten im Alltag um einen einfachen Lebensstil, ohne Partnerin zu leben und Gott in den kirchlichen Autoritäten zu akzeptieren. Andy war begeistert.“

Vorlagen: saekularinstitute.de

Ein Säkularinstitut – was ist das?

Mit „Versuchslaboratorien“ hat Papst Paul VI. die Säkularinstitute einmal verglichen, „in denen die Kirche die konkreten Möglichkeiten ihrer Beziehungen zur Welt testet“. Kurzum: Säkularinstitute wollen Christsein inmitten von Welt und Gesellschaft verankern. Deshalb werden sie im Deutschen auch „Weltgemeinschaft“ genannt. In ihnen leben Menschen, die nach verbindlichen Formen christlichen Lebens in der unmittelbaren Nähe zur Welt gesucht haben und dabei bewusst ehelos leben wollen.

Säkularinstitute – warum?

Wer bis Mitte des 20. Jahrhunderts sein Leben in der Nachfolge Christi in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam führen wollte, trat meist in ein Kloster ein. So wurde die Lebensentscheidung für Christus öffentlich – Schleier oder Kutte waren und sind weithin sichtbar. Als nach dem ersten Weltkrieg bei vielen Christen der Wunsch wuchs, nach den evangelischen Räten zu leben, ohne dies durch äußere Zeichen der Öffentlichkeit zu zeigen, schlossen sich einige von ihnen in Säkularinstituten zusammen. Um für sie einen Platz in der Kirche zu finden, trafen sich im Mai 1938 auf Einladung des Mailänder Paters Agostino Gemelli 25 Vertreter der neu entstandenen Säkulargemeinschaften in St. Gallen. Nach dem zweiten Weltkrieg erkannte Pius XII. die Säkularinstitute mit der Konstitution „Provida Mater“ schließlich als kirchliche Lebensform an. Das war 1947.

 

Wo und wie leben die Mitglieder von Säkularinstituten?

Mehr als 40.000 Mitglieder gehören zu weltweit rund 200 kirchlich anerkannten Säkularinstituten. Es gibt Mitglieder in Frauen-, Männer- und Priesterinstituten. Sie gestalten die Welt anhand des Evangeliums und geben ein bewusstes Zeugnis für Christus an dem Ort, an dem sie arbeiten und leben. Die Männer und Frauen verdienen meist ihren eigenen Lebensunterhalt. Sie wohnen allein, in ihrer Herkunftsfamilie oder in einer Wohngemeinschaft des Instituts.

Die Mitglieder der Säkularinstitute haben sich von Gott besonders angesprochen gefühlt und darauf mit einer Lebensentscheidung reagiert – dem Eintritt in ein Säkularinstitut. Sie leben für die Umgestaltung einer Welt, so wie Gott sie will, und bringen die Botschaft Jesu in ihrem Umfeld unters Volk. Dazu versprechen sie, wie Jesus leben zu wollen: arm, gehorsam und ehelos.

  • Armut nach dem Evangelium ist für sie solidarisches Teilen mit bedürftigen Menschen und ein einfacher Lebensstil.
  • Gehorsam lässt sie all das hören und wahrnehmen, was Gott in der jeweiligen Situation von ihnen erwartet.
  • Ehelosigkeit bedeutet für sie mehr als Enthaltsamkeit. Sie geben ihr Leben ganz Gott hin.

 

Diese drei Haltungen nennt man evangelische Räte (von Evangelium – frohe Botschaft). Jesus hat sie den Seinen ans Herz gelegt.

 

Der Weg zum „Ja“ zu einer neuen Lebensform

In vielen Säkulargemeinschaften findet die mehrjährige Kandidatur- und Ausbildungszeit berufsbegleitend statt. In manchen Säkularinstituten sind intensive Schulungskurse vorgesehen, für die sich Interessenten zeitweise von ihrem Beruf und ihrer gewohnten Umgebung trennen müssen. Die Vorbereitung auf die Aufnahme in ein Säkularinstitut ist zumeist in mehrere Schritte untergliedert. Am Ende dieser Vorbereitung wird durch Versprechen, Gelübde oder Weihe die Bindung an das jeweilige Säkularinstitut besiegelt. Teilweise können sich der Gemeinschaft auch Verheiratete oder Ordensleute anschließen, um am Auftrag des Instituts mitzuwirken.

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