Kommentar zur Statistik der Priester- und Weihekandidaten 2009
Oliver Schmidt Die Berufungspastoral hat die Entwicklung in den Gemeinden und (Erz-) Diözesen Deutschlands im Blick. Die pastoralen Strukturen verändern sich. Angesichts der Herausforderungen gilt es, offensiv für den priesterlichen Dienst einzutreten.
Das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Priesterjahr sollte Priester und Gemeinden anregen, über den priesterlichen Dienst nachzudenken und die priesterliche Lebensform geistlich tiefer zu erfassen.
Während der Allensbacher Trendmonitor (2008) deutlich machte, dass der Beruf des Priesters in der Gesellschaft hohes Ansehen genoss, zeigen jüngste Umfragen eine Erschütterung des Vertrauens in die Kirche und in den priesterlichen Dienst im Allgemeinen. Es bleibt abzuwarten, ob bzw. inwieweit sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der Priester mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle durch Priester mittel- und langfristig auf Jugendliche und junge Männer und ihre Bereitschaft zum priesterlichen Dienst auswirken wird. Das Zentrum für Berufungspastoral erfasst seit 1962 die Zahl der Priester- und Weihekandidaten zum Stichtag 31. Dezember.
In den Jahren 2006/07 ist ein signifikant positiver Ausschlag der Zahl der Neuaufnahmen in die Priesterseminare bzw. Theologischen Konvikte zu verzeichnen. Demgegenüber knüpft die Zahl der Neuaufnahmen im Jahr 2008 tendenziell wieder an den Veränderungen und Schwankungen der Jahre zuvor an. Dies lässt darauf schließen, dass sich die großen kirchlichen Ereignisse im Jahr 2005 (Tod Johannes Pauls II. und Wahl Benedikt XVI., Weltjugendtag in Köln und im Nachklang zum Weltjugendtag in manchen Diözesen ein Jahr der Berufung) ermutigend für die Annahme einer Berufung in den priesterlichen Dienst auswirkte. Allerdings setzte sich der Rückgang der Aufnahmen in die Priesterausbildung in den Jahren 2008 und 2009 auf dem niedrigen Niveau des Jahres 2005 fort. Ähnliche Bewegungen sind für den Bereich der Orden nicht zu konstatieren. Die Veränderungen dort unterlagen in der vergangenen Dekade ohnehin großen Schwankungen.
Diözesane Priesterausbildung Im Jahr 2008 waren 179 Neuaufnahmen zu verzeichnen. Mit 151 traten 2009 nocheinmal 28 Männer weniger in die Priesterausbildung ein. Dies entspricht einem Minus von 15,64%. Erfreulich mag sein, dass 2009 für die deutschen (Erz-) Diözesen 99 Kandidaten zu Priestern geweiht wurden - 6 mehr als im Jahr zuvor. Dieser Anstieg um 6,45% kann aufs Ganze gesehen aber ebenso wenig über die prekäre Situation zu weniger Neupriester hinwegtäuschen wie die recht stabile Zahl von 854 Seminaristen. 2008 waren es 860.
Priesterausbildung im Rahmen der DOK Bei zur Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) gehörenden Gemeinschaften hat die Zahl der im Theologiestudium befindlichen Priesterkandidaten (Kleriker und Scholastiker) um 12,28% abgenommen und sank um 21 auf 150. Bei den sog. Klerikernovizen werden 6 Neuaufnahmen weniger verzeichnet. Dies entspricht einem Rückgang um 9,38% auf 58. Die Zahl der Priesterweihen stieg im Jahr 2009 für Gemeinschaften der DOK bundesweit um 31 Ordensmänner, also um 63,16%. Bei den Ordenszahlen sind insgesamt deutliche Schwankungen zu beobachten. So liegt die Schwankungsbreite bei den Priesterweihen in der letzten Dekade bei 20 bis 30 Weihen pro Jahr. Während demnach die Zahl von 19 Weihen im Jahr 2008 als am unteren Wert liegend zu sehen ist, liegt die Zahl im Jahr 2009 am oberen Wert.
Neupriester insgesamt Im Jahr 2009 wurden in den deutschen (Erz-) Diözesen 99 Neupriester geweiht. Darüber hinaus haben im gleichen Zeitraum 31 Ordensmänner die Priesterweihe empfangen. In der Summe bedeutet das für den Erhebungsbereich 130 Neupriester. Im Vorjahr wurden 93 Diözesan- und 19 Ordenspriester geweiht, insgesamt also 112. Dieser Anstieg um 16,07% erklärt sich im Blick auf die im Jahr 2009 verzeichnete Zahl der Priesterweihen in den Gemeinschaften der DOK.
Priesterkandidaten insgesamt Die folgende Übersicht zeigt in absoluten Zahlen die Veränderungen der neu aufgenommenen Priesterkandidaten in den zurückliegenden zehn Jahren. Die erste Zahl bezieht sich auf die (Erz-) Diözesen Deutschlands, die zweite auf Männer, die sich in einem Orden auf die Priesterweihe vorbereiten.
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1997: 235 / 45
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1998: 215 / 49
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1999: 190 / 59
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2000: 211 / 50
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2001: 203 / 48
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2002: 200 / 42
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2003: 193 / 45
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2004: 165 / 45
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2005: 188 / 53
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2006: 211 / 53
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2007: 201 / 69
- 2008: 179 / 64
- 2009: 151 / 58
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