17. APRIL
WELTGEBETSTAG
UM GEISTLICHE
BERUFUNGEN

Eucharistiefeier

 

 

Jahresthema

Herzklopfen

 

Einführung

Der 4. Ostersonntag, der Gute-Hirte-Sonntag, wird weltweit als Gebetstag um geistliche Berufungen gefeiert. Jesus, der gute Hirte, sorgt in unendlicher Liebe für die Menschen. Er hat in Wort und Tat die Liebe Gottes verkündet und sein Leben für uns Menschen hingegeben. In seiner Liebe zeigt sich die Leidenschaft Gottes für uns. Dies ist die eine Seite, die im Leitwort ausgedrückt wird, das über dem

heutigen Tag steht: „Herzklopfen“. Dieses Wort stellt an jeden von uns auch die Frage, ob unser Herz für Gott, für Jesus Christus brennt, ob wir auf seine Liebe mit ganzem Herzen antworten wollen. Oder anders ausgedrückt: ‚Klopft‘ unser Herz (noch), wenn wir an Jesus und seine Liebe denken?

Die Antwort auf diese Frage ist in besonderer Weise Grundlage eines Lebens in den vielen Formen des geweihten Lebens. Für diese Frauen und Männer beten wir heute, und wir wollen Gott bitten, dass er auch heute die Herzen von jungen Menschen so stark berührt, dass sie ihm mit der ganzen Liebe ihres Herzens antworten und sich ihm ganz weihen.

 

Kyrie

Herr Jesus Christus,

du bist die menschgewordene Liebe Gottes.

Deine Liebe zu uns Menschen ist grenzenlos.

Du machst auch uns zu Zeugen deiner Liebe.

 

Tagesgebet MB 161

Allmächtiger, ewiger Gott,

dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen

als der Gute Hirt.

Geleite auch die Herde,

für die er sein Leben dahingab,

aus aller Not zur ewigen Freude.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

 

1. Lesung

Apg 13, 14.43b–52

 

2. Lesung

Offb 7, 9.14b–17

 

Evangelium

Joh 10, 27–30

 

Predigtanregung

 

Herz-Klopfen

Haben Sie auch manchmal Herzklopfen? In besonderen Situationen schlägt es ja, wie der Volksmund sagt, bis zum Hals. Wer sich über etwas sehr freut, kennt es. Wer vor einer wichtigen Prüfungssituation steht, kennt es. Und wer verliebt ist, kennt es allemal. Unser Herz klopft zwar immer, aber manchmal eben so, dass wir es wirklich spüren können: Wenn wir aufgeregt sind, wenn wir gespannt sind oder auch wenn wir uns in einer eher peinlichen Situation befinden, immer dann dreht unser Herz so richtig auf. Es macht sich bemerkbar. Es klopft.

Das ist ja eigentlich ein sonderbarer Ausdruck. Wir klopfen an Türen, wir klopfen auf den Tisch, wir klopfen an die Wand, wenn der Nachbar die Musik zu laut aufgedreht hat. Klopfen hat immer etwas damit zu tun, dass sich jemand bemerkbar macht.
Unser Herz macht eigentlich ja nichts anderes. Wenn wir Herzklopfen haben, dann vermittelt es uns eine bestimmte Botschaft. Und die verfehlt ihre Wirkung nicht. Wir werden aufmerksam, aufnahmefähig und leben sogar mehr im Augenblick als sonst.

So weit, so bekannt. Aber „Herz-Klopfen“ als Thema für den Weltgebetstag um geistliche Berufungen? Klopft Ihnen das Herz vor Freude, vor Aufregung, wenn Sie beten oder den Gottesdienst besuchen? Schlägt Ihnen das Herz ständig bis zum Hals, weil Sie Christ sind und der Glaube Ihr Leben durchzieht?
Abgesehen von besonderen Ausnahmen wird das wohl nicht der Fall sein. Verdrießen muss uns das aber nicht, denn wenn unser Herz ständig auf Hochtouren wäre, könnten wir die besonderen Momente gar nicht als solche wahrnehmen. Und heute, an diesem Weltgebetstag, soll ein solch besonderer Moment im Vordergrund stehen.
Was ist damit gemeint? Es geht zunächst nicht so sehr darum, dass es in  unserem Herzen klopft, sondern dass jemand an  unser Herz klopft. Und dieser Jemand ist der, der unsere Berufung weckt: Gott selbst. Jedenfalls kann das Wort aus der Offenbarung des Johannes „Ich stehe vor der Tür und klopfe an“ (Offb 3,20) durchaus so verstanden werden, dass Jesus an die Tür unseres Herzen klopft.

Diese Art Herz-Klopfen ist besonders. Gott macht sich bemerkbar, macht auf sich aufmerksam, macht uns aufmerksam für ihn. In gewisser Weise sind seine Klopfzeichen Weckrufe: Da gibt es eine Wirklichkeit in dir, eine Sehnsucht, ein Fragen, das du bislang so noch nicht gekannt oder zugelassen hast. Mit diesen Klopfzeichen Gottes, die unser Herz anrühren, beginnt Berufung, beginnt ein Hören und Aufhorchen auf seine Stimme.
Und jeder, der bereit ist, die Tür seines Herzens zu öffnen, wird spüren, dass Gottes Klopfzeichen im eigenen Herzen einen Resonanzraum finden. Und mit der Zeit formt sich ein entschiedenes Ja zu Gott, der uns unendlich liebt. Zu diesem Ja sind freilich alle Christen herausgefordert. Manche entscheiden sich dann aber aus diesem grundsätzlichen Ja heraus für einen geistlichen oder pastoralen Beruf. Ihr Ja findet Widerhall und Ausdruck in der besonderen Hingabe an Gott und die Menschen, was durch ihre Lebensform als Priester oder als Ordenschrist deutlich unterstrichen wird.
Der Weltgebetstag um geistliche Berufungen macht uns in jedem Jahr neu darauf aufmerksam, dass die Kirche solche entschiedenen Menschen als Propheten und Zeugen braucht. Und dass es eine Herzenssache jeder Gemeinde sein muss, Gott um genau diese Berufungen zu bitten.
 
Die eigene Berufung zu finden, das ist sicher nicht das Produkt einer kühlen Kalkulation, eines berechnenden Abwägens, welcher Beruf, welches Amt oder welcher Dienst am besten zu einem passt. Es ist vor allem eine Herzensangelegenheit. Keine Kopfsache, sondern – im Sinne des Weltgebetstags-Mottos – eine „Klopfsache“.
Es ist eine Art des Wachwerdens zu mir selbst. Im Entdecken meiner Berufung erkenne ich meine Möglichkeiten (und meine Grenzen), meine Wirklichkeit (und mein Umherirren), weil mich Gott das entdecken lässt. Das gilt für jede Art von Berufung.

Herzklopfen – Gott klopft an mein Herz. Das ist die eine Perspektive. Die andere ist: Er lässt mich sein  Herzklopfen spüren. Denn sein liebendes Herz kennt einen besonderen Takt: Es schlägt für mich . Der selige John Henry Newman wählte sich als Kardinal das Wort: „Das Herz spricht zum Herzen“. Gottes Kommunikationsmittel ist sein Herz. So tief lässt Gott mich blicken, bis an sein Herz, dessen Rhythmus Liebe und Leben in Fülle bedeutet: durch das Hören und Meditieren der Schrift, im Schweigen, im Gebet, in den Menschen, die mich begleiten und mir gut sind, in den Zeiten des Aufatmens, in tief empfundener Freude, in der eigenen Glaubenserfahrung und Glaubensgeschichte und nicht zuletzt, sondern vor allem in der Feier der Eucharistie.

Natürlich sollen diese Überlegungen nicht allzu romantisch klingen. Den Weg mit Gott zu gehen, Jesus nachzufolgen, bedeutet auch, Wüsten und steinige Wege kennenzulernen. Aber gerade dann sind wir besonders herausgefordert, auf Gottes Herz-Klopfen zu achten. Auch in diesen Zeiten hört sein Herz nicht auf, für uns zu schlagen.

Und nun könnte eigentlich unser Herz ein bisschen klopfen! Vor Freude, dass wir zusammen sind im Glauben an einen solchen Gott, der bei uns anklopft, sich bemerkbar macht, uns persönlich anspricht und ruft.

 

Fürbitten

Gott, unser Vater, dein Sohn Jesus Christus hat deine grenzenlose Liebe zu uns Menschen verkündet und mit seinem Leben und Sterben bezeugt. Sein Herz steht uns auch heute offen. Im Vertrauen darauf tragen wir die Sorgen und Nöte unserer Zeit vor dich:

 

L 1: „Verleih [...] deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zuregieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.“ (1 Kön 3,9)

 

L 2: Wir vertrauen dir die Männer und Frauen an, die in der Kirche Leitungsverantwortung haben. Lass sie die Nöte der ihnen anvertrauten Menschen mit dem Herzen wahrnehmen und in Liebe und Barmherzigkeit antworten.

 

R Gott Vater im Himmel – wir bitten dich erhöre uns.

 

L1: „So spricht der Herr: [...] Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt.“ (Jer 31,2f)

 

L 2: Stärke in allen, die du als Priester, Diakon und in den vielen Formen des Gott geweihten Lebens berufen hast, die Freude und Begeisterung für ihren Dienst, damit Menschen durch sie die Nähe und

Liebe Gottes erfahren können. – R

 

L 1: „Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker.“ (Jes 43,4)

 

L 2: Öffne auch in unserer Zeit die Herzen junger Menschen für deinen liebenden Ruf und schenke ihnen gute Begleiterinnen und Begleiter im Suchen ihrer persönlichen Berufung. – R

 

L 1: „Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß?“ (Lk 24,32)

 

L 2: Schenke Christen ein offenes Herz für die Begegnung mit dir in den Menschen, in der Eucharistie und im Wort der heiligen Schrift. Lass sie aus all diesen Begegnungen Freude und Begeisterung für ihr Leben schöpfen. – R

L 1: „Deshalb schlägt mein Herz für ihn, ich muss mich seiner erbarmen – Spruch des Herrn.“ (Jer 31,20c)

 

L 2: Erbarme dich der vielen Opfer von Gewalt, Terror und Verfolgung. Stärke in den Menschen in unserem Land die Bereitschaft zu Frieden, Versöhnung und zum Teilen. – R

 

L 1: „Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.“ (Psalm 62,9)

 

L 2: Dir empfehlen wir die Menschen, die um einen lieben Verstorbenen trauern. Wir bitten um Mut und Zuversicht für jene, die der Tod einsam zurücklässt und um ewiges Leben bei dir für unsere Verstorbenen. – R

 

Gott, unser Vater, deiner Liebe vertrauen wir unsere Bitten, Sorgen und Fragen an. Aus dieser Liebe schöpfen wir Kraft und Zuversicht für unser Leben. Dafür danken wir dir, der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

 

Alternativ

GL 678, 2 oder Jahresgebet 2016 „Herzklopfen“

 

Gesänge

 

Zum Einzug

GL 455, 1–3 - Alles meinem Gott zu Ehren

Kyrie

GL 154

Gloria

GL 171

Antwortgesang

GL 56, 1 - Verse laut Lektionar

Ruf vor dem Evangelium

GL 175, 6 - Vers laut Lektionar

Credo

GL 177

Zur Gabenbereitung

GL 184 - Herr, wir bringen in Brot ... (ggf. Begleitgebete sprechen)

Sanctus

GL 200

Agnus Dei

GL 202

Zum Dank

GL 427 - Herr, deine Güt ist unbegrenzt

Nach dem Segen

GL 487 - Nun singe Lob, du Christenheit

 

 

Sr. Gabriele Lüdenbach FCJM, Predigtanregung: Dr. Andreas Rohde, Paderborn

 

 

Vesper

 

 

Leitwort

Herzklopfen

 

Einführung

Vielleicht musste der eine oder die andere sich gerade beeilen, um rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen. Ihr Herz schlägt dann vielleicht schneller als sonst. Sie spüren Ihr Herz klopfen. Vielleicht ist jemand von uns gerade frisch verliebt. Das Herz schlägt dann manchmal ganz stark. Sie spüren Ihr Herz klopfen. Vielleicht sind einige gerade besonders dankbar. Ein herzliches Gefühl erfüllt den ganzen Körper. Sie spüren Ihr Herz klopfen. Vielleicht haben wir uns heute etwas getraut, zu dem viel Mut gehörte. Dann schlägt einem das Herz bis zum Hals. Sie spüren Ihr Herz klopfen. Jetzt wollen wir ruhig werden und unser Herz für Gott bereiten, damit wir spüren, wie er an unser Herz klopft.

 

Liturgische Eröffnung

GL 627, 1

 

Hymnus

Kehrvers: GL 649, 5 - Mein Herz ist bereit, o Gott; im Wechsel mit den vier Textabschnitten GL 675, 4 - Herr Jesus Christus, du bist der Auferstandene

 

1. Psalm

GL 543 - nach Ps 119

 

2. Psalm

GL 61, 1+2 - Ps 112

 

Canticum

GL 630, 1+2

 

Lesung

Jer 24,4.6f

 

Responsorium

GL 644, 1

 

Impuls

„Stop!“ Das ist eindeutig. Wenn jemand „Stop“ zu mir sagt, halte ich an. „Lauf!“ oder „Geh!“ Wenn wir das hören, setzen wir uns in Bewegung. Das sind klare Aufforderungen. Wir wissen sofort, was gemeint ist. Kann ich Gott genauso eindeutig verstehen? Was will Gott mir sagen?

Was will er uns sagen? Ein eindeutiges „Stop!“ oder „Geh!“ hören wir selten von ihm. Aber er hat uns ein Herz gegeben, damit wir ihn so liebevoll erkennen, wie er sich uns zuwendet. Wenn wir auf unser Herz hören, werden wir zu ihm umkehren, so offenbart er es dem Propheten Jeremia. Eine Aufforderung wie ein „Stop“ hören wir mit den Ohren. Gottes Stimme dagegen nehmen wir mit dem Herzen wahr. Wenn wir aufmerksam sind, erkennen wir, wenn der auferstandene Jesus an unser Herz klopft, wenn er unser Herz erreichen will. Wir müssen wachsam und offen sein, damit wir ihn dann auch wahrnehmen. Öffnen wir ihm unser Herz.

 

Fürbitten

Guter Gott, du schenkst dich uns in Jesus Christus und leitest uns im Heiligen Geist. Auch heute bist du uns nahe. Guter Gott, öffne unser Herz:

 

Für Menschen, die im kirchlichen Dienst und in geistlichen Berufen arbeiten: Um ein erfülltes Herz für ihre Aufgaben.

 

R Herr, erbarme dich.

 

Für Menschen, die Herzlosigkeit ausgesetzt sind: Um die Erfahrung, dass sie geliebt sind. – R

 

Für Menschen, die vor Entscheidungen stehen: Um ein gutes Gespür, wofür ihr Herz schlägt. – R

 

Für Menschen, die verliebt sind: Um die Erkenntnis, dass du Teil dieser Liebe bist. – R

 

Für die Kommunionkinder, die in diesen Tagen zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen: Um ein Herz, das in Liebe zu dir wächst. – R

 

Vaterunser

Guter Gott, du ergreifst unser Herz. Zu dir wollen wir beten: Vater ...

 

Oration

GL 644, 8

 

Segensbitte

GL 632, 4

 

Abschluss

GL 525 - Freu dich, du Himmelskönigin

 

 

 

 

Johannes Schäfers, Paderborn