Prof. Dr. Thomas Hieke

Oktober 2000 bis September 2006 wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. Christoph Dohmen an der Universität Regensburg, Lehrstuhl für Biblische Theologie: Exegese und Hermeneutik des Alten Testaments; 2003 Habilitation zum Thema «Die Genealogien der Genesis”; seit 2007 Professor für Altes Testament an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Hier bin ich,
sende mich!

Das Spektrum der Berufungen im Alten Testament

 

 

— Start

Niemand wird heute so berufen, wie das von Jeremia oder Mose erzählt wird. Vergleicht man aber innerhalb des Alten Testaments die Berufungsgeschichten, so gibt es manche Gemeinsamkeiten. Das Repertoire, wie Menschen auf den Ruf Gottes reagieren könnten, ist eben begrenzt. So kann man im Alten Testament die Gattung »Berufungsbericht« identifizieren. Schaut man aber genauer hin, so ist keine Berufung der anderen völlig gleich. Gott geht individuell auf die einzelnen ein, so dass sich ein faszinierendes Spektrum ergibt. Aus den alten Geschichten kann man viel über Berufungen im spirituellen Sinne lernen. Man muss heute nicht auf einen brennenden Busch warten noch auf jemanden, der einem einen Mantel überwirft.


— Das eine Extrem: Jesaja

Nur ein Mensch reagiert im Alten Testament auf einen Ruf Gottes extrem positiv und vorbildhaft: Jesaja. Er schaut in einer Vision die Herrlichkeit des HERRN und die Serafim, die den HERRN mit dem »Heilig, heilig, heilig« preisen (Jes 6,1–13). Natürlich empfindet sich Jesaja als völlig verloren vor der Macht Gottes – doch Gott sorgt dafür, dass Jesaja von seiner Schuld befreit wird. Dann fragt der HERR: »Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?«. Und Jesaja antwortet voller Begeisterung: »Hier bin ich, sende mich!« (Jes 6,8) Was Jesaja dann ankündigen muss, ist freilich weniger begeisternd: das Strafgericht Gottes an seinem untreuen Volk. Gleichwohl, Jesaja führt diesen Dienst aus. Diese Berufung ist ein Extrem: Das Ganze findet im Kontext einer Vision statt, und Jesaja äußert sofort seine Bereitschaft, sich von Gott senden zu lassen. Heute ist man mit Recht eher vorsichtig, wenn jemand davon spricht, er habe »Visionen«. Und bevor jemand in einer Weiheliturgie oder Beauftragung sein »Hier bin ich« oder »Ich bin bereit« spricht, geht ein längerer Prozess der Reflexion voraus. Allerdings findet man die geschilderte Berufung Jesajas auch nicht im ersten Kapitel des Jesajabuches, sondern im sechsten. Jesaja hat schon einiges hinter sich, er weiß, worauf er sich einlässt.


— Das andere Extrem: Jona (Jona 1–2)

In diesem Reflexionsprozess kann es hilfreich sein, dass man noch auf andere Berufungsgeschichten im Alten Testament schaut. Das Gegenextrem zu Jesaja ist Jona in den ersten beiden Kapiteln. Jona wird mit einer Wortereignisformel (»Das Wort des HERRN erging an Jona«, Jona 1,1), also einer für die prophetische Literatur typischen Wendung, zum Propheten berufen. Anstelle einer Antwort wird erzählt, dass Jona sich auf den Weg nach Tarschisch, ans andere Ende des Mittelmeeres, machen will: der Prophet, der vor seiner Berufung und seinem Auftrag flieht – ein Extremfall. Hier hat sich jemand überlegt, worin die extremste Antwort auf Gottes Berufung besteht: im Davonrennen. Der Fall wird dann als Gedankenexperiment durchgespielt und mit Märchenmotiven erzählt. Jona erleidet buchstäblich und übertragen Schiffbruch und wird geradezu liebevoll von Gott auf unglaubliche Weise wieder auf den rechten Weg zurückgebracht. Das ist ein Trost für alle, die Angst haben, sich Gottes ewige Verdammnis einzuhandeln, wenn sie sich fragen, ob sie wirklich berufen sind, und die ihre Zweifel für Feigheit halten. An Jona 1–2 sieht man, dass Gott dem, den er beruft und der zunächst davonrennt und dieser Berufung nicht folgt, liebevoll nachgeht und ihn etwas lernen lässt. Wer in der Berufungspastoral tätig ist, sollte sich hüten, irgendwelchen Druck auf Menschen auszuüben, die ihrer Berufung vermeintlich nicht entsprechen wollen – Gott, so lehrt die Jonaschrift, kann auch mit solchen Menschen seine Pläne umsetzen.

 


— Der häufigere Fall: Einwände, Einwände

Der häufigere Fall der menschlichen Reaktion auf eine Berufung durch Gott im Alten Testament ist der Einwand. Meist sind es sogar mehrere Einwände, und der Extremfall ist Mose in Ex 3–4. Über zwei lange Kapitel hinweg stellt Mose Frage um Frage, um aufzuzeigen, was alles gegen seine Berufung zum Anführer Israels spricht. Erst fragt Mose: »Wer bin ich denn?« (Ex 3,11), dann: »Wer bist du denn?« (vgl. Ex 3,13) Nachdem Gott alles genau dargelegt und seinen Namen und seinen Plan offenbart hat, fragt Mose: »Was aber, wenn sie (die Israeliten) mir nicht glauben?« (Ex 4,1) – vielleicht spiegelt sich hierin seine eigene Skepsis wider. Gott gibt Mose drei Zeichen zur Legitimation: den Stab, der zur Schlange wird; die aussätzige Hand, die wieder rein wird; und das Nilwasser, das zu Blut wird. Mose ist immer noch nicht zufrieden und verweist auf seine rhetorische Unfähigkeit: »Ich bin keiner, der gut reden kann« (Ex 4,10). Schon etwas unwillig verweist Gott darauf, dass er selbst es doch gewesen sei, der dem Menschen überhaupt die Fähigkeit zum Reden gegeben habe und daher wohl auch Mose zum Reden befähigen werde. Als Mose dann noch voller Verzweiflung und ohne jedes Argument bittet: »Schick doch einen andern!« (Ex 4,13), wird Gott zornig und stellt dem Mose seinen Bruder Aaron an die Seite, der »reden kann«. Damit ist Mose bedient und sagt nichts mehr, er hat keine Ausflucht mehr, zugleich aber auch alles in der Hand, um seinen Auftrag ausführen zu können. Gott fordert – aber Gott überfordert nicht.

Lange Zeit nach Mose ist das Volk Israel wieder in einer drängenden Notlage aufgrund der Eroberungszüge der Midianiter. Wie einst dem Mose erscheint nun dem Gideon der Engel des HERRN und beruft ihn, Israel zu befreien (Ri 6,11–14). Auch Gideon bringt allerlei Zweifel und Einwände vor und fordert sogar ein Zeichen der Legitimation Gottes – Gott gewährt das Zeichen, woraufhin Gideon heftig erschrickt. Er hatte tatsächlich mit dem Engel des HERRN gesprochen! Gott beruhigt Gideon mit der berühmten Formel »Fürchte dich nicht!« Nun ist Gideon bereit für große Taten (Ri 6–8).

Bei der Berufung des Propheten Jeremia (Jer 1) begegnen einige bekannte Elemente wieder. Wie bei Jona tritt die Wortereignisformel auf (Jer 1,4: »Das Wort des HERRN erging an mich«). Jeremia rennt nicht davon, ruft aber auch nicht gleich wie Jesaja »Hier bin ich, sende mich«, sondern bringt zwei Einwände. Den ersten hat er von Mose abgeschaut: »Ich kann doch nicht reden«, der zweite ist ein echtes Argument: »Ich bin ja noch so jung« (Jer 1,6; siehe auch Ri 6,15). Gott reagiert angemessen auf beide Einwände in umgekehrter Reihenfolge. Auf das jugendliche Alter folgt eine Ermutigung und eine Beziehungszusage: »Fürchte dich nicht […] ich bin mit dir« (Jer 1,8). Zuspruch, Ermutigung und das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern einen Ansprechpartner zu haben – das brauchen junge Menschen bis heute. Gott gibt Jeremia genau das, was er braucht. Und dann kommt die zärtliche Geste der Berührung: Gott streckt seine Hand aus und berührt Jeremias Mund. Das ist wie ein Kuss in einer Liebesbeziehung unter jungen Menschen, unglaublich aufregend, aufwühlend und zugleich beflügelnd. Und diese Intimität zwischen Gott und seinem Propheten wird sich durch das gesamte Buch ziehen: »Kamen Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, HERR, Gott der Heere« – so ruft Jeremia aus (Jer 15,16), gleichwohl um zu klagen, dass genau diese Worte von Gott ihm nur Zank und Streit einbringen. Noch drastischer heißt es in Jer 20,7: »Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt.« Hier schwingt eine sexuell-erotische Komponente mit. Jeremia fühlt sich von Gott emotional und fast körperlich völlig überwältigt – was umso schlimmer ist, als er gar nicht anders kann als Gottes Wort auszurichten: »Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich es auszuhalten und konnte nicht« (Jer 20,9). Und so muss Jeremia fortfahren, die warnende Gerichtsbotschaft Gottes auszurichten. Er steckt dafür den Spott und die Prügel seiner Zuhörerschaft ein. Die Kraft, das auszuhalten, zieht Jeremia aus seiner intimen Gottesbeziehung.

Aus diesen Geschichten kann man lernen, dass es menschlich normal ist, auf Berufungen mit Einwänden zu reagieren, also auf den inneren Anspruch und die Herausforderung mit Anfragen und Zweifeln zu antworten. Es ist für die berufene Person legitim, Zweifel und Einwände zu haben und zu äußern. Faszinierend ist die Reaktion Gottes: Ganz individuell geht Gott auf die Bedürfnisse und Fragen der von ihm berufenen Menschen ein. Mose wird mit allem ausgestattet, was er für seine Verkündigung braucht (mit Gottes Namen, Wunderzeichen, einem »Dolmetscher«). Der sehr an der Vernunft orientierte Gideon wird durch ein sichtbares Zeichen überzeugt, der junge Jeremia ermutigt und geradezu zärtlich berührt. Es ist die Botschaft der Schrift, dass Gott Menschen sehr individuell in seinen Dienst ruft.

 

 

— Zu jung?

Noch jemand, der im Alten Testament berufen wird, ist zu jung: Samuel. In 1 Sam 3 ist der kleine Samuel als »Auszubildender« beim alten Priester Eli in Schilo. Wieder erzählt das Alte Testament in zärtlicher Weise vom Ruf Gottes, den Samuel zunächst mit dem seines Lehrmeisters Eli verwechselt. Samuel muss erst lernen, die Stimmen zu unterscheiden – und Gott wird nicht müde, diesen Lernprozess durchzuziehen. Nach drei Anrufungen und auf den Rat seiner menschlichen Bezugsperson Eli hin ist Samuel bereit, Gott zu hören. An Samuel kann man sehen, dass man in eine Berufung auch hineinwachsen muss.


— Religiöse Profis

Gott nimmt die von ihm berufenen Menschen auf Lernwege mit. Lernen ist aber immer mit Veränderung verbunden, und Veränderungen tun weh. Es sind gleich drei »religiöse Profis«, die lernen müssen, dass ihr Weg mit Gott anders, als von ihnen geplant, verlaufen wird. Jeremia stammt aus einer Priesterfamilie, aber er wird dieses Amt nicht ausüben, sondern die etablierte Priesterschaft seiner Zeit auf das Schärfste kritisieren und ihnen im Namen Gottes Korruption und alles Mögliche andere vorwerfen (z.B. Jer 1,18; 2,8; 5,31; 6,13; 23,11). Dass er dafür viel einstecken muss, ist kein Wunder. – Samuel hätte das beschauliche Amt des Opferpriesters am Heiligtum in Schilo ausüben sollen, aber er führt als Gottesmann, Seher und Königsmacher ein bewegtes Leben. Selbst im Totenreich hat er nicht seine Ruhe (1 Sam 3–28).

Ezechiel geht es noch schlimmer als Jeremia: Er stammt auch aus einer Priesterfamilie, doch noch bevor er seinen regulären Dienst antreten kann, wird er bei der ersten Verschleppung durch die Babylonier (597 v. Chr.) ins Exil deportiert (Ez 1,1–3). Wie bei Jesaja beginnt die Berufung mit eindrucksvollen Visionen, doch bei Ezechiel ist alles viel rätselhafter (Ez 1). Bevor Ezechiel überhaupt etwas sagen kann, sendet ihn Gott als Propheten (Ez 2,3) – und gleichsam als ob Gott schon alle Einwände kennen würde, spricht er Ezechiel Mut zu (»fürchte dich nicht«, Ez 2,6) und macht ihm klar, dass es ein sehr dorniger Weg wird. Bei Ezechiel begegnet wie bei Jeremia die Hand Gottes (Ez 2,9): Sie hält eine Buchrolle fest, und diese Buchrolle, die mit Klagen, Seufzern und Weherufen beschriftet ist, soll der Prophet essen (Ez 2,10–3,3). Auch das ist eine Form der Intimität: Ezechiel soll die Worte Gottes, mit denen er sein Volk anklagen und warnen wird, buchstäblich in sich aufnehmen, wie man Nahrung aufnimmt. Tatsächlich wird die Rolle süß wie Honig in seinem Mund. Sind die Herausforderungen auch groß, mit der zugesagten Nähe Gottes wird die Aufgabe zu einem nahrhaften Lebensmittel.

Von Jeremia, Samuel und Ezechiel kann man lernen, dass Gottes Wege bisweilen andere sind als die von Menschen geplanten. Das kann ein schmerzlicher Lernprozess sein – nie aber ist Gott dabei abwesend, sondern in ungewohnt intimer Weise nah.

 


— Einfach zupacken und handeln

Gibt es denn niemanden, der nach seiner Berufung einfach zupackt und loslegt? Doch. Elischa bekommt von Elija, dessen Berufung übrigens nicht erzählt wird, den Mantel des Propheten übergeworfen – keine direkte Berufung durch Gott, aber durch einen Gottesmann, der im Auftrag Gottes handelt (1 Kön 19,16–21). Elischa weiß sofort, was zu tun ist: Er bittet darum, seinen Eltern den Abschiedskuss geben zu dürfen, was ihm von Elija großzügig gewährt wird (anders als bei Jesus in Lk 9,61–62!). Dann aber schließt Elija mit seiner Vergangenheit als Großbauer ab: Der Pflug wird zum Brennholz, die Rinder werden geschlachtet und verspeist. Elischa ist am »point of no return«, eine Rückkehr in sein altes Leben gibt es nicht. Er folgt Elija und macht eine ganz bemerkenswerte Prophetenkarriere (1 Kön 19–2 Kön 13).

Ganz wortlos macht sich wiederum Abraham in Gen 12,1–4 auf, als er von Gott zum Verlassen seiner gewohnten Umgebung aufgefordert wird – keine Einwände, keine Fragen. Später wird Abraham schon Zweifel vor Gott äußern, die aus seiner Sicht durchaus berechtigt sind. Doch Gott räumt diese Bedenken durch Worte und Zeichen aus (Gen 15). Ähnlichkeiten mit der Wortlosigkeit Abrahams und der Jugendlichkeit Samuels hat der junge David: Als er inmitten seiner Brüder von Samuel zum König gesalbt wird, sagt er nichts (1 Sam 16,12–13). Ab diesem Punkt ist der HERR mit David, der wiederum abwartet, was der Augenblick zu tun fordert. Das wird David auszeichnen und seinen Erfolg ausmachen: Hellwach für den jeweiligen Augenblick zu leben und genau zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Einmal gelingt ihm das nicht mehr und er stürzt ab: David gibt der Versuchung nach, sich Batseba, die Frau des Urija, zu verschaffen. Aber selbst an diesem Tiefpunkt wird er in seiner Reue und Buße zum Vorbild – auch darin, die Strafe Gottes zu akzeptieren.
Elischa, Abraham, David – das sind die Pragmatiker, die zupacken und handeln, die keine großen Worte um ihre Berufung machen. Auch solche gibt es bis heute.


— Von der Herde weg

Von den religiösen Professionals, die umdenken und neue Wege gehen müssen, war schon die Rede. Elischa, David, Amos und Mose haben einen anderen Hintergrund: Sie sind Landwirte, Ackerbauern und Viehzüchter, die Felder bestellen und Rinder-, Ziegen- und Schafherden führen. Aus ihrem Alltag werden sie herausgerissen, von ihrer Herde weggeholt. Amos sagt das wörtlich von sich: »Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!« (Amos 7,14–15) Amos grenzt sich damit von den »Berufspropheten« seiner Zeit ab, die gegen ein vom König gezahltes Gehalt am Heiligtum als »Propheten« arbeiten. Solche Leute sind abhängig und voreingenommen – sie werden sich hüten, ihren Arbeitgeber, also den König und die Beamtenschaft, zu kritisieren. Hier dringt Gottes Wort nicht mehr durch. Daher beruft Gott aus unerwarteten Kontexten.

Gott wendet sich nicht nur an die ohnehin »religiös Sozialisierten«, an die, die schon von ihrer Familie eine Karriere in Sachen Religion vorgezeichnet haben – Gott reißt auch aus dem ganz anderen Alltag heraus. Gott beruft ganz normale Menschen, vor allem die, die damit gar nicht rechnen. Mit ihnen setzt er seine Pläne um.


— Ziel

Hier schließt sich der Kreis zu Jona: In Jona 3–4 ist und tut der Prophet Jona genau das, was er sein und tun soll. Als das Wort des HERRN zum zweiten Mal an ihn ergeht, macht er sich auf (wie Elischa oder Abraham) und verkündet (wie Amos, Jesaja, Jeremia und andere) das Gericht Gottes. Anders als die anderen Propheten wird Jona zu der großen Stadt Ninive geschickt. Und anders als bei den meisten anderen Propheten bekehrt sich die sündige Stadt – und zwar vollkommen!

Also schließt sich der Kreis doch nicht einfach! Ein Schritt ist noch zu lernen, nämlich das Ziel, wohin Gott wirklich will. Das sieht man bei Jona sehr eindrucksvoll: Jona hat das Pech, dass das von ihm angekündigte Gericht aufgrund der Buße und Umkehr Ninives nicht stattfindet. Seine Botschaft trifft nicht ein – ein hartes Los für einen berufenen Propheten! Doch gemeinsam mit ihm lernen die Leserinnen und Leser der Jonaschrift, worauf Gott mit all seinen Berufungen letztendlich immer hinauswill, und dass dieses Ziel wichtiger ist als die berufene Person: Gott will alle Menschen in Liebe und Barmherzigkeit zu sich führen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Die Barmherzigkeit und Liebe Gottes – hier liegt das letzte und oberste Ziel aller Berufungen.