1. Oktober 2020
Heilige Theresia vom Kinde Jesu

EUCHARISTIEFEIER

 

 

Intention: Eheleute und Familie

 

Leitwort: Wer so klein sein kann wie dieses Kind ist im Himmelreich der Größte. (Mt 18,4)

 

Einführung

Die Frage, wer der Mächtigste und Größte sei, ist nicht neu. Tag für Tag erleben wir auch heute ein Wettrennen um Macht und Größe. Biblisch ist die Frage hingegen klar beantwortet: Gott ist der Mächtigste. In Christus kommt uns seine Macht dienend, liebend, leidend und erlösend nahe. Die heilige Theresia vom Kinde Jesu, der wir heute gedenken, hatte eine tiefe Sehnsucht, dieser liebenden Macht ähnlich zu werden. Auf ihrem kurzen Lebensweg vollzog sie eine tiefe innere Reifung und erkannte ihre Berufung darin, das Gewöhnliche außergewöhnlich zu tun. Das Vermächtnis Jesu „Bleibt in meiner Liebe“ ist auch die Grundherausforderung für unsere Eheleute und Familien. Diese Liebe muss im Alltag gelebt werden. Papst Franziskus betont in diesem Zusammenhang immer wieder die Bedeutung der drei Worte: Bitte – Danke – Entschuldigung. Für eine lebendige Beziehung sind sie unerlässlich. Die Frage, wer im Himmelreich der Größte sei, beantworten Jesus im Evangelium und die heilige Theresia vom Kinde Jesu in ihrem Namen gleichermaßen: wahrhaft groß und mächtig ist, wer lieben kann wie ein Kind. Beten wir für unsere Familien und Eheleute, dass sie diese Liebe und damit ihre Berufung finden.

 

Kyrie

Herr Jesus Christus,

du bist der Weg, der uns ins Heil führt.

Du bist die Tür, die uns die Ewigkeit aufschließt.

Du bist das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.

 

Tagesgebet (MB 799)

Großer Gott,

du rufst Menschen in deine Nähe,

die nichts von sich selbst erwarten,

sondern alles von dir erhoffen.

Führe uns den Weg der Demut

und der Gotteskindschaft,

den du der heiligen Theresia gezeigt hast.

Vollende auf ihre Fürsprache

auch unser Leben in deiner Herrlichkeit

und lass uns dein Antlitz schauen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Lesung

Jes 66, 10–14c

 

Evangelium

Mt 18,1–5

 

Fürbitten

Gott, du Ursprung der Liebe, du Quelle des Lichts, du unser Friede, bei dir kommen wir zur Ruhe. Auf die Fürsprache der heiligen Theresia vom Kinde Jesu und ihrer heiligen Eltern Louis und Zelie bitten wir dich:

Gib, dass alle Getauften in deiner Liebe bleiben und nicht aufhören, die Gemeinschaft der Kirche zu suchen.

 

R Erhöre uns, o Herr.

 

Führe den Papst und die Bischöfe, die Priester und alle, die im Dienst der Kirche stehen, im Heiligen Geist und bewahre sie vor Selbstgerechtigkeit, Verbitterung und Verhärtung. R

 

Öffne die Herzen der jungen Menschen, gib ihnen das Verlangen, das Reich Gottes zu suchen und zu prüfen, ob der Heilige Geist ihnen eine priesterliche Berufung oder eine Ordensberufung geschenkt hat. R

 

Lass alle, die in Politik, Kirche und Gesellschaft Macht haben, erkennen, dass ihre Aufgabe darin besteht, anderen zu dienen und für die Bedürftigen da zu sein. R

 

Gott, du hast uns ins Leben gerufen. Du hast uns die Berufung geschenkt, Jesus nachzufolgen. Dein Heiliger Geist erhält in uns die Sehnsucht, inmitten der Bedrängnis des Lebens Jesus nicht aus den Augen zu verlieren. Dafür sei dir Lob und Dank, heute und in Ewigkeit.

 

Gesänge

 

Zur Eröffnung

GL 543,1+2 – Wohl denen, die da wandeln

 

Antwortpsalm

GL 664,5+6 – Er befiehlt seinen Engeln

 

Halleluja

GL 174,4 – Vers laut Lektionar

 

Zur Gabenbereitung

Stille

 

Sanctus

GL 193

 

Agnus Dei

GL 204

 

Zum Dank

GL 392,4+5 – Lobe den Herren

 

Thomas Gerstlacher, Augsburg

 

 

 

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ANDACHT

 

 

Intention: Eheleute und Familie

 

Leitwort: Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. (Mt 18,4)

 

I. Eröffnung

 

Lied

GL 548,1–3 – Für alle Heiligen in der Herrlichkeit

 

Liturgische Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Einführung

Wenn wir Heilige verehren, sollten wir sie nicht auf ein Podest stellen, sondern sie in unser Leben hineinsprechen lassen. Wir sollten ihnen erlauben, uns Fragen zu stellen und uns herauszufordern. Das gilt auch für die heilige Theresia vom Kinde Jesu, deren Fest wir heute feiern. Welche Frage würde sie uns stellen? Wozu fordert sie uns heraus? Eine Antwort darauf finden wir, wenn wir in ihr kurzes Leben blicken. Kennzeichnend für sie war, dass sie versucht hat, aus einem kindlichen Gottvertrauen heraus zu leben. Sie wurde zwar nur 24 Jahre alt und hat doch in dieser kurzen Zeitspanne die Höhen und die Tiefen, die Schönheit und die Verlassenheit des menschlichen Lebens erfahren. Obwohl sie nicht viel mehr war als eine einfache Karmelitin im Kloster von Lisieux, ist sie heute eine der bekanntesten Heiligen der Kirche. Davon, dass Gott unscheinbare Menschen wie Theresia und sogar zutiefst fehlerhafte Menschen erwählt, handelt der folgende Text:

 

Jakob war ein Betrüger, Petrus war impulsiv,

David hatte eine Affäre, Noah betrank sich,

Jonah lief Gott weg, Paulus war ein Mörder,

Miriam war eine Tratschtante,

Martha machte sich viel Sorgen,

Gideon war unsicher, Thomas war ein Zweifler

Sarah war ungeduldig, Elijah war depressiv,

Moses stotterte, Zachäus war klein,

Abraham war alt und Lazarus war tot.

Gott ruft nicht die Qualifizierten.

Er qualifiziert die Berufenen.

 

Die heilige Theresia würde uns daher vielleicht fragen: Warum habt ihr so oft Angst, den Ansprüchen Gottes nicht zu genügen? Und sie würde uns zugleich mit einer Antwort ermutigen: Befürchtet nicht, dass ihr mit eurer geringen Kraft und euren zahlreichen Schwächen die Falschen in seiner Nachfolge seid. Gott hat für einen jeden und eine jede von uns einen Platz. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich ihm anzuvertrauen und für ihn zu leben.

Wir beten heute am Gebetstag um geistliche Berufungen insbesondere für die Eheleute und Familien. Viele Väter und Mütter fragen sich, ob sie den Ansprüchen gerecht werden, gute Ehepartner und Eltern zu sein. Gestresst und manchmal überlastet wird man einander oft nicht gerecht. Da fällt manch ungeduldiges Wort und es fehlt an der Zeit füreinander.

Vielleicht würde die heiligen Theresia ihnen zurufen, dass es manchmal guttut, von den eigenen Ansprüchen zu lassen und einfach füreinander da zu sein und sich gegenseitig mit den liebenden Augen Gottes zu sehen.

Wir wollen Gott bitten, dass er die Eheleute und Familien stärkt, damit sie spüren, dass sie in ihrem Alltag die Treue Gottes erfahren dürfen, dass sie auch in schwierigen Situationen nicht aufgeben, sondern vertrauen, dass Gott immer wieder mit uns beginnt und auch aus den Brüchen unseres Lebens einen neuen Aufbruch gestalten kann. Gerade im familiären Alltag dürfen wir uns getragen wissen von der Liebe Gottes, die auch unsere Begrenzungen umfasst.

 

Christusrufe

GL 163,6

 

Tagesgebet (MB 799)

Großer Gott,

du rufst Menschen in deine Nähe,

die nichts von sich selbst erwarten,

sondern alles von dir erhoffen.

Führe uns den Weg der Demut

und der Gotteskindschaft,

den du der heiligen Theresia gezeigt hast.

Vollende auf ihre Fürsprache

auch unser Leben in deiner Herrlichkeit

und lass uns dein Antlitz schauen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

II. Verkündigung des Wortes Gottes

 

Lesung

Jes 66, 10–14c

 

Antwortgesang

GL 425,1+2+5 – Solang es Menschen gibt auf Erden

 

Evangelium

Mt 18,1–5

 

Impuls

Die heilige Theresia hat immer wieder, in einer für uns heute etwas „blumigen“ Sprache, von ihrem „kleinen Weg“ gesprochen, wie etwa das folgende Zitat zeigt: „O nein, nie habe ich für mich außergewöhnliche Gnaden begehrt ... Ich habe kein anderes Mittel als Blumen zu streuen, das heißt, keines der kleinen Opfer, keinen Blick, kein Wort mir entgehen zu lassen, auch die kleinsten Taten zu beachten und sie aus Liebe zu vollbringen.“

Alles, auch und gerade „das Kleinste“ aus Liebe zu tun, das ist gerade im Alltag und besonders in der Familie wichtig. Denn die Familie lebt davon, dass das Zusammenleben bis in die alltäglichsten Taten wie Kochen, Putzen, Sprechen und Trösten getragen ist von Liebe. Theresia wusste, dass der Weg zu Gott gepflastert ist mit diesen kleinen Werken der Liebe. Sie hat diesen Weg auch ihren „Aufzug“ genannt, der damals eine ganz neue Erfindung und für sie ein starkes Bild dafür war, dass die Liebe direkt zu Gott trägt.

Sie wusste, dass einfache und äußerlich unscheinbare Hingabe in den Augen Gottes keine „Kleinigkeit“ ist, sondern unendlich wertvoll. Das ist die Botschaft und das große Geheimnis, das uns diese „kleine Heilige“ und große Lehrerin unserer Kirche sagen will. Auch der kleine Weg ist nicht immer nur lichtvoll und gerade im Kleinen sich zu bewähren kann mühsam sein, aber es lohnt sich, weil am Ende dieses Weges das Licht Gottes aufstrahlt – mit Theresia gesprochen: „Ich sehe nur ein halbverschleiertes Licht, das Licht, das aus den gesenkten Augen des Antlitzes des Herrn entströmt.“

 

Stille

 

III. Antwort der Gemeinde

 

Andacht

GL 678,4 – Ehe und Familie

 

Lied

GL 464,1–3 – Gott liebt diese Welt und wir sind sein Eigen

 

Fürbitten

Gott, deine Sehnsucht nach uns Menschen ist unbegrenzt. Du hast uns gerufen, in der Welt den Weg des Heils zu gehen. Auf die Fürbitte der heiligen Theresia bitten wir dich:

Erneuere in unseren Eheleuten und Familien Tag für Tag, Glaube, Hoffnung und Liebe.

 

R Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Fördere durch den Heiligen Geist in unseren Familien einen respektvollen Umgang miteinander. R

 

Erwecke in Kindern und jungen Menschen Offenheit und Bereitschaft zu prüfen, ob Gott sie zu einem geistlichen Beruf auserwählt hat. R

 

Lass die Priester, Diakone und Ordensleute Vorbild sein für die jungen Menschen, damit sie von ihnen beten, lieben und leiden lernen können. R

 

Stelle den körperlich und seelisch kranken Menschen Helfer und Helferinnen zur Seite, die ihnen Licht und Trost bringen. R

 

Vergilt allen Menschen in reichem Maße alles Liebe und Gute, das sie für uns getan haben, und schenke unseren Verstorbenen die ewige Vollendung. R

 

Gott, du wirst in deiner Gnade unsere Schwäche in Stärke verwandeln. Du gibst dem Guten in uns neues Wachstum. Du befreist uns in deiner Gnade von den Mächten des Bösen. Dafür danken wir dir von ganzem Herzen.

 

Vaterunser

Lasst uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat: Vater unser ...

 

Ave Maria

Wir grüßen Maria, die Mutter der Glaubenden: Gegrüßest seist du, Maria…

 

IV. Abschluss

 

Segensbitte

Der Gott des Friedens heilige uns. Er bewahre unseren Geist, unsere

Seele und unseren Leib unversehrt.Gott, der uns beruft, ist treu.

Und so segne uns der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und

der Heilige Geist.

 

Entlassruf

Singet Lob und Preis. – Dank sei Gott, dem Herrn.

 

Schlusslied

GL 521,1+2 – Maria, dich lieben

 

Pfarrer Thomas Gerstlacher, Augsburg